Legenden
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1Der Spindelorden
1Der Düsterbergschatz
1Das Sottmonster
1Der rote Bär
1Jalins Weg
1Ragnarsson
1Wargans Fluch
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Sonstiges








 

 

Die Liebenden

Vor langer, langer Zeit, es war noch vor der Reichsgründung, haben sich zwei junge Menschen ineinander verliebt; sie aus dem Clan Caldrea, er aus dem Clan Riisvar.
Eine Heirat zwischen den jungen Leuten war nicht erwünscht da sie schon einem anderen versprochen war. Jedoch hielt dies die Liebenden nicht davon ab, sich am am Fuße des Aldarischen Hochgebirges heimlich in einer kleinen Hütte zu treffen.

Kurz vor der Hochzeit, die nicht abwendbar schien, entschieden sie, sich nochmals dort zu treffen. Das Wetter war denkbar schlecht für solch ein Unterfangen, dicker Nebel lag auf den Hängen und der erste Schnee hatte sich als glitschige Schicht über die Steine gelegt.

In der geborgenen Hütte entschlossen sich die beiden lieber zusammen fortzulaufen als ein Leben ohne einander zu verbringen. Ohne lange zu planen oder nachzudenken packten sie alles was sie tragen konnten – und was sie warm halten würde – ein und flohen schwerbepackt bergauf, in der Hoffnung, dass hinter den Bergen eine bessere Zukunft auf sie warten würde.

In den höheren Regionen wurde es immer kälter; zwar schneite es nicht, aber dafür waren die Felsen mit einer tückischen Eisschicht überzogen.

Und es kam, wie es kommen musste. Die hoffnungslos überladene junge Dame (von ihm ganz zu schweigen) verlor auf einer Klamm das Gleichgewicht und rutsche auf den Abhang zu. Der junge Mann konnte gerade noch ihre Hand greifen bevor sie den großen Felsen herabstürzte, der mehrere dutzend Meter in die Teife führte. Da baumelte sie nun, mit einer Hand an seine Hände geklammert.
Duch die zusätzliche Last des Gepäcks auf ihrem Rücken war es ihm unmöglich, sie den glatten Felsen wieder hinaufzuziehen. Doch um nichts auf der Welt wollte er seine Geliebte loslassen, nicht jetzt, nachdem sie sich endlich entschlossen hatten zusammen fortzugehen. Doch allen guten Wünschen zum Trotz rutschte sie immer weiter Richtung Abhang und ihre kalt-feuchten Finger begannen in den seinen zu rutschen.
So sehr er ihr auch zuschrie sie solle sich festhalten, glitt sie unaufhaltsam Zoll um Zoll tiefer. Verzwifelt versuchte er mit den Schuhstitzen einen Halt auf dem rutschigen Gestein zu finden. Endlich bohrte sich eine Schuhspitze hinter einen kleinen Gesteinsbrocken. Inzwischen waren beide schon soweit gerutscht, dass sie völlig frei unter der Felskannte hing. Sie erkannte, dass es für sie zu spät war, dass sie es nicht schaffen würde, das schwere Gepäck abzuwerfen… Sie flehte ihn an, sie loszulassen, damit er nicht auch noch über den Felshang gezogen werden würde, doch er war in seinem Entschluss, nicht loszulassen unerbitterlich.
Doch bevor er auch noch über die Kante rutschte, entglitt seine Geliebte ihm immer schneller aus den Händen. Das letzte, das er von ihr sah waren ihre entsetzt aufgerissenen Augen und ihre zu ihm ausgestreckten Hände. Die verzweifelten Schreie der jungen Menschen erschütterten die Klamm. Dann verstummt einer der Schreie jäh.

Er starrte mit vor Schrecken geweiteten Augen auf die leere Felskante, dann auf seinen rotgefrorenen Hände. Dann wieder auf die Felskante, die er gerade mit seinen Fingerspitzen ertasten konnte. Er schloss die Augen und Tränen rannen über seine Wangen auf den kalten Stein.

Mit einem schweren Seufzer lockerte er seine Schuhspitze von dem Gesteinsbrocken. Dann griff er nach der Felskannte und zog sich mit einem Ruck in die nebelige Unendlichkeit..
Er fiel lautlos.

Wenn der Wind scharf um die Felsen streicht, dann – so schwören die Leute – hört man die Schreie der Liebenden als Echo von den Wänden wiederhallen. Die Klamm wurde nach diesem Vorfall Tränenklamm genannt und der Felsen, auf dem die beiden zerschellten trägt den bedeutungsschwangeren Namen ‚Blutfelsen‘. Unter der Klamm hat der Felsen zwei große blutrote Erzadern hervorgebracht - die laut Augenzeugen vor diesem Vorfall natürlich noch nicht dort waren.

Die Tränenklamm ist ein bliebter ‚Ausflugsort‘ für verzweifelte und unglücklich Verliebte, die keinen anderen Ausweg sehen, als sich eben jenen Felsen herabzustürzen. (Die Waldhüter haben den Auftrag, dieses Stück Fels im Auge zu behalten…)


nette Aussprüche wie: ‚.. deshalb werde ich mich doch nicht gleich die Tränenklamm herabstürzen.‘ oder ‚.. dann stürz Dich doch auf den Blutfelsen….‘ sind seitem bezeichnend.

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