Legenden
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1Der Spindelorden
1Der Düsterbergschatz
1Das Sottmonster
1Der rote Bär
1Jalins Weg
1Ragnarsson
1Wargans Fluch
Liedgut
Sonstiges








 

 

Der Barboldi

Die reiche Kauffrau Rechthild Hammelschneider – noch damals in der intakten Hauptstadt ansässig – liebte kulinarische Genüsse. Sie handelte mit verschiedenen Produkten vom Schaf (keine Wolle); das Lammfleisch, das sie weiterverabeiteten ließ gab die besten Pasteten in der Stadt.

Als Feinschmeckerin suchte sie immer nach neuen Herausforderungen und daher traktierte sie fortwährend ihren Delikatessenkoch Marko Barboldi, ihr immer bessere Genüsse vorzusetzen. Wenn er ihre Vorstellungen nicht befriedigen konnte, liess sie ihn sogar auspeitschen oder anders bestrafen.

Dem Koch gefiel das natürlich gar nicht. Er war ein sehr guter Koch und gab sich immer redlich Mühe, immer bessere Kreationen für seine Herrin zu schaffen.

Eines Tages trug Rechthild Hammelschneier ihrem Koch explizit auf, eine besonders gute Mahrzeit zu kochen und drohte ihm im Vorfeld schon mit Prügel, falls er versagen sollte. Sie erwartete Besuch von Kaufleuten aus Brana, die Interesse an ihren neuen Kreationen angekündigt hatten und daher wollte sie natürlich mit neuen Gaumenfreuden überzeugen.

Und es war ein voller Erfolg! Das Essen war das brillianteste was die Kaufleute jemals zuvor gegessen hatten. Zu deren purer Verwunderung liess die Herrin jedoch den Koch dierekt in den Saal kommen und vor den Herren mit kurzen, heftigen Rutenhieben bestrafen für den ‚mittelmäßigen Fraß‘ den er wagte zu präsentieren.

Den krönenden Abschluss sollte eine neue Lammpastete sein, die beste, die jemals produzier wurde. Die Herrin drohte Amrko Barboldi noch eine viel schlimmere Strafe an, sollte er sie erneut enttäuschen. Diesmal wurde die Herrin jedoch nicht enttäuscht; diese Pastete schmeckte besser als jede andere zuvor. Zum ersten Mal, dass Barboldi sie kannte, lächelte sie ihm zu.

Dann gefor das Lächeln wie eine bizarre Maske in ihrem Gesicht und sie fiel stumpf vornüber in ihre Paste und blieb regungslos liegen.

Nun lächelte Marko Barboldi.

Die Kaufleute verabschiedeten sich verwirrt und kauften ihre Pasteten bei der Konkuzzenz.

Marko Barboldi tat seitdem als zufriedener Truppenkoch in Tiamael seinen Dienst und begeisterte die Soldaten mit seinem Einfallsreichtum aus den einfachsten Sachen ein kulinarisches Gedicht zu machen.


Daraus entspringt die Redensart: ‚Jemandem den Barboldi vorstetzen.‘ = jemandem die Henkersmahlzeit vorsetzen.

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